PC Windows 11 ready machen

Das neue Windows ist seit etwas über einer Woche auf dem Markt. Erste PCs bekommen es nun auch direkt über Windows Update offeriert. Nicht wenige Benutzer dürften dabei eine Meldung sehen, dass ihr PC nicht kompatibel zu Windows 11 sei. Eine Umfrage im Business-Bereich ergab letztlich, dass schätzungsweise 30 bis 50% aller PCs davon betroffen sein dürften. Es gibt von Microsoft ein Prüftool, welches einem danach sehr genau sagt was das Problem ist. Dieses wird beim Windows Update auch verlinkt. Die drei am meisten betroffenen Punkte dürften sein:

  • zu alte CPU
  • MBR anstatt GPT Partition und damit kein UEFI Secure Boot.
  • TPM 2.0 Anforderung

Alte CPU

Beim ersteren Punkt gibt es von meiner Seite nur ein Tipp: Abwarten! Die Anforderungen an die CPUs sind sehr streng zur Zeit. Selbst CPUs die noch einigermassen aktuell sind (z.B. mein i5 7300U in meinem Surface) gelten als veraltet. Dabei tut diese Hardware weiterhin gut seine Dienste. Das ganze dürfte so streng gehandhabt werden, damit die Leute neue Hardware kaufen. Sobald Microsoft aber merken dürfte, dass dies nicht der Fall ist und dass dadurch zu viele Installationen auf Windows 10 (welches noch bis 2025 supportet wird) verbleiben, dürften sie sich eventuell bewegen und die Anforderungen noch senken. Zwar gibt es jetzt schon Workarrounds wie man Windows 11 trotzdem auf solchen PC installiert bekommt, aber ratsam ist es nicht. Microsoft selber erklärt zwar den Weg und rät gleichzeitig davon ab! Denn supportet wird das ganze nicht. Microsoft begründet das Gefahr vorallem darin, dass sie sich eines Tages entscheiden könnten, solchen PC keine Sicherheit-Patches mehr zu liefern. Da aber Microsoft da immer sehr kulant war, glaube ich nicht daran, denn sie wollen sich nicht vorwerfen lassen dafür verantwortlich zu sein, dass unsichere PCs im Netz unterwegs sind. Was viel eher die Gefahr ist: irgendein Feature oder Update in Zukunft setzt auf modernere Befehlssätze des CPU, die diese alten CPUs nicht haben.

MBR2GPT

Zweite Hürde: Der PC wurde mit einer Masterboot Record (MBR) Partition installiert und somit im Kompatibilitätsmodus (CMS) was das Bios anbelangt, sprich moderne UEFI Funktionen sind nicht im Einsatz. Windows 11 setzt aber eine GPT Partition voraus. Natürlich solltet ihr bevor ihr überhaupt mit dem Gedanken an eine GPT Partition anfängt, abklären ob euer PC ein UEFI Bios hat. Das müsste aber bei allen PCs mit kompatiblen CPUs der Fall sein.

Das Problem hatte ich und bis vor gestern wäre ich davon ausgegangen, dass dies nicht ohne Neuinstallation des gesamten Systems einher geht. Doch seit Build 1703 kann man mit einem Tool namens „MBR2GPT“ die Partition einfach um konvertieren. Es gibt eine Bedingung. Die Systemplatte darf nicht mehr als 3 bestehende Partitionen haben, sprich die drei welches ein Windows 7/8/10 von sich aus erstellt (Wiederherstellungspartition, Bootpartition und eigentliche Datenpartition).

Das Vorgehen im Detail: Ihr erstellt zuerst ein Windows Installationsmedium mit dem Media Creation Tool von Microsoft. Das ist ja ein kleines Windows PE sozusagen. Vor dem Prozedere empfiehlt es sich ein Backup vom Systemlaufwerk zu machen. Danach bootet ihr von der CD oder USB Stick. Dort wechselt ihr zu den Wiederherstellungsoptionen und startet die Eingabeforderung. Mit dem Befehl „Diskpart“ müsst ihr nun zuerst herausfinden welche Platte eure Systempartition ist. Sobald diskpart ausgeführt wird, könnt ihr mit dem Kommando „listdisk“ euch alle Disks auflisten lassen und müsst euch nun die Nummer eurer Systemplatte merken. Meist merkt man das durch die verschiedenen Grösse der Festplatten. Aber etwas falsch machen könnt ihr nicht, denn MBR2GPT sucht nach einem installierten System und gibt eine Fehledermeldung aus, wenn es diese nicht findet auf der gewählten Festplatte. Mit dem Kommando „Exit“ verlässt ihr nun Partdisk. Nun führt ihr MBR2GPT aus. Und zwar Validieren wir zur Sicherheit das ganze zuerst einmal: MBR2GPT /validate /disk:X (X gehört die Nummer herein eurer Systemplatte). Wenn da keine Fehlermeldung kommt führen wir das ganze scharf aus: MBR2GPT /convert /disk:X. Ist das erfolgt beendet ihr die Eingabeforderung und startet den PC neu.

Tipp: Wer erst im laufenden System mal die Validierung vornehmen will, kann das auch tun. Dazu Befehlseingabe mit Adminrechte starten und folgendes eingeben: MBR2GPT /validate /allowFullOS. Theoretisch könnte man das ganze im laufenden System auch scharf durchlaufen lassen. Davon rate ich ab, wenn da ein Virenscanner oder anderes Programm herein pfuscht, riskiert ihr eine kaputte Partition!

Dieses Youtube Video erklärt euch die ganzen Schritte nochmals:

Danach sofort in Bios und UEFI einschalten bzw. das CMS abschalten. Da jedes Mainboard eine andere Bios hat und die anders aussieht, müsst ihr euch da im Handbuch eures Mainboards selber schlau machen wo ich diese Einstellungen findet. Seit ihr schon mal im Bios müsst ihr auch Secure Boot anschalten und könnt gleich auch mal schauen ob euer Mainboard ein TPM Chip verbaut habt. Jedes einigermassen moderne Mainboard der letzten Jahre solle eigentlich die Hardware-Anfordung an Windows 11 erfüllen.

TPM 2.0

Wie gesagt das mit dem TPM 2.0 hört sich komplizierter an als es ist. Was ist TPM eigentlich und wozu braucht man das? TPM ist ein speziell gesicherter Speicher wo Sicherheitsfunktionen von Software wichtige Daten hinterlegen können (meist Verschlüsselungsschlüssel). Waren das zu Beginn seperate Chips auf dem Mainboard (TPM 1.0 etc.) bietet heute jeder moderne CPU solche gesicherten Speicherbereiche. Und diese kann das UEFI für dieselbe Funktion nutzen. Also wieder: alle kompatiblen CPUs erfüllen diese Vorgabe, sprich es muss damit auch diese Vorgabe erfüllt sein. Wie man es aktiviert könnt ihr hier bei Microsoft nachlesen.

Tipps:

Als ich gestern das ganze durchgeführt habe, hat Windows Update nicht sofort kapiert, dass ich nun neu eigentlich die Anforderung erfülle. Darum habe ich dann das Update mit dem Microsoft-Tool manuell angeschoben. Und ja auch auf einer NVME dauert die Installation Stunden bei einer bestehenden Windows 10 Installation. Zudem kann es bei ca. 80% sein, dass der Assistent irgendwelche Dienste oder Treiber aufführt, die man zuerst deinstallieren muss, weil sie inkompatibel war. Bei mir war es der Traffice Shaping Tool cFos die via Asus Tools mitkam. Also unbedingt zwischendurch den Installationsprozess kontrollieren.

Nachtrag 18.10.2021:

Wer viel mit dem Kontextmenu (Rechtsklick) arbeitet und bei Windows 11 sich über die neue Anordnung stört, wo die meisten Befehle sich unter „weitere Optionen“ versteckt, kann das wieder umstellen nach alt wie bei Windows 10.

Folgenden Befehl in Eingabeforderung mit Adminrechte ausführen:

reg add HKCU\Software\Classes\CLSID\{86ca1aa0-34aa-4e8b-a509-50c905bae2a2}\InprocServer32 /ve /d "" /f


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