Wem gehört die Zukunft

Ja den Kindern schon klar. Ne es geht mir um unser Hobby: Die Spiele
Auf mein letzten Artikel hin hatte ich in einem anderen Blog genau darüber eine heftige Diskussion. Allgemeiner Tenor: Der PC ist tod. Gut die Meinung teile ich zwar nicht, aber sie ist momentan populär.
Mein Ansatz geht ganz woanders hin:

Beide sind dem Tod geweiht, Konsolen und PC.

Also der Reihe nach. Was haben wir die letzten paar Jahre sehen müssen und prägt zur Zeit jede Spielecharts? Richtig Nintendo DS und Wii Spiele. Kein Wunder, Nintendo hat mit den beiden Plattformen innert kürze 50% des Weltmarktes zurück erobert. Trotz HD Gaming auf PS3 und Xbox 360, trotz Konkurrenz von Sony mit der Playstation Portabel. Gut also Nintendo hat auch eine Konsole die sehr erfolgreich ist, warum soll also die Konsole tod sein? Wen spricht die Wii an? Gelegenheitsspieler. Und was spielen die: einfache Spiele, viel Puzzlespiele. Und wer ist dort noch stark? Die Browserspiele. Während Blizzard stolz verkündigt nun 11.5 Millionen WOW Spieler zu haben, vergisst man dabei, dass es banale Browserspiele gibt, die ein Millionenpublikum haben.

Ich behaupte: Handhelds und Browserspielen gehört die Zukunft.

Warum? Bei HD Gaming gibt es grosse Probleme: Einerseits die Kosten auf Seite der Kunden (HD-TV und neue Geräte), anderseits beim Hersteller. So kostet die PS3 immer noch bei der Herstellung mehr als das was beim Kunden verlangt wird. Quersubventioniert durch Spiellizenzen und Bluray Abverkäufen. Dazu kommen die Entwicklungskosten bei den Spielen. Ein GTA 4 hat unglaubliche 100 Millionen US-Dollar in der Entwicklung gekostet. Ok, GTA ist eine sehr erfolgreiche Spielserie. Was aber wenn sich bei GTA 4 das Fiasko nicht auf den PC beschränkt hätte? Rockstar wäre heute wohl Pleite oder stände sicher zum Verkauf. Das finanzielle Risiko wird immer grösser. Parallelen zu Hollywood, die sich mit denselben Problemen herumschlagen. Und schauen wir wohin der Trend allhingehend wendet: Internet. Das die Zukunft von TV im Internet liegt, zeichnet sich ab. Das von Infotaiment, ist schon tagtägliche Realität wenn Magazine und Zeitungen schliessen. Und dieser Trend wird vor der Spielindustrie garantiert nicht halt machen. Denn ein riesen Vorteil haben Browserspiele die gratis im Internet angeboten werden: sie können nicht raubkopiert werden, weil sie eh werbefinanziert sind. Des weiteren ist bei den Geräten ein Trend zur Fusion des allesbittenden Geräts zu sehen. Das Smartphone hat schon: PDA, Digicam, MP3 Player geschluckt. Das nächste wird nun die Handhelds sein. Apple hat als grösster MP3 Player Hersteller fast gezwungenermasse ein iPhone bringen müssen. Boten doch schon jedes Sony Ericson Handy die MP3 Playerfunktion. Wären sie da nicht mitgezogen, sie wären in ein paar Jahren weg vom Geschäft rund um MP3 Player gewesen. Denn der iPod wird aussterben zu Gunsten der Smartphones. Und nun stellt sich heraus. Das iPhone ist sogar hardwaremässig besser bestückt als eine PSP. Und inzwischen bietet Apple schon über 1500 Games darauf an. Dazu kommt der Trend zur mediumlosen Unterhaltung. Etwas wovon die Musikindustrie ein Liedchen singen kann, aber auch die Filmindustrie. Und beim PC ist es auch schon gang und gäbe sich die Spiele via on Demand Angebote zu beschaffen. Aber wie gesagt alle leiden unter den Raubkopien, die Konsolen genauso wie der PC (wer es nicht glaub soll in gängige Torrent Tracker reinschauen). Die PSP ist gar ganz heftig betroffen, weil es dem Kunden so einfach gemacht wird sie rein softwaremässig zu hacken, ohne Modchip, ohne Löten.

„Was spricht dagegen?“, das muss man sich natürlich auch fragen. Ein Punkt der mich in der Prognose stutzig macht, genauso wie er mich daran zweifeln lässt dass der PC als Spielplattform tod sei, ist das Engagement von Intel neu im Highend Grafikprozessor Segment (Larabee). Da steckt plötzlich Intel Abermillionen in die Entwicklung eines neuartigen Highend Grafikchip, der auf die x86 Architektur baut, während alle Welt den PC als Spielplattform todredet. Was weiss also Intel, der erfolgreichste Halbleiterhersteller der Branche, mehr als wir? Die Frage muss ich offen lassen, ich weiss es auch nicht.

Was spricht dafür? Projekte wie von id-Software (dem Erfinderstudio des Egoshooter) mit Quake Live. Sie portieren hier ihr erfolgreichstes Produkt Quake 3 auf Flashbasis, so dass es in jedem Browser live gespielt werden kann. Inklusiv Community Support, Live Ranks usw. alles was so ein Multiplayer Shooter eben so braucht.

Das Engagement von wichtigen Köpfen der Industrie bei Browserspielen. David Perry (MDK). John Romero (Quake) ist nur einer von vielen. Dazu das Engagement von Google und Microsoft im Bereich Werbung in Spielen, dem zur Zeit am stärksten wachsende Werbemarkt (während der im Internet stagniert, ja sogar zurückgeht).

Google will seine Dominanz im Internet weiter ausbauen. Ua. deshalb haben sie mit Android ein OpenSource OS für Smartphones entwickelt. Ua. deshalb versuchen sie immer mehr Applikationen rein übers Internet nutzbar zu machen. Und sie forschen hinter verschlossener Türe an einem Minimal Betriebssystem, dass den PC der Zukunft steuern soll. Ein Betriebssystem dass nur als Treiber fürs Internet dienen soll, alles andere wird direkt im Internet abgewickelt (Online Banking, Movies schauen via Youtube, Office Applikationen via Google Apps usw.). Und Spiele werden da sicher auch eine Rolle spielen. Inzwischen etabliert sich eine neue Geräteklasse mit rasender Geschwindigkeit: Netbooks. Der PC im ATX Gehäuse hat schon lange ausgedient. 60% der heute verkauften PCs sind Note- oder eben Netbooks. Die herkömlichen PCs dürften vorwiegend noch in den Büros stehen. Damit auch entsprechend potente Hardware. Klar es gibt Gamernotebooks, aber die werden nur von Freaks wie mir gekauft.

Gut auf irgendeinem Gerät muss nun aber noch dieses Minimal Betriebssystem installiert sein. Hier vermute hier wird es in Zukunft das Smartphone für unterwegs sein, und zu Hause je nach Bedarf ein Note-, Netbook oder vielleicht auch die TV-Box. Schliesslich sind solche Receiver auch schon kleine PCs.

Was aber bedeutet das für uns eingefleischte Spielefans: Nichts gutes insgesamt. Der Trend zu banaleren und oberflächlicheren Spielen die schon mit den Konsolen begonnen haben, wird fortgesetzt. Schaut man sich das Portfolio der Wii an, weiss man ungefähr was einem erwarten. Quiz-, Puzzle- und Geschicklichkeitsspiele. Das ist dann kein Platz mehr für eine Bombastgrafik. Nur müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen: der Erfolg von Nintendo DS (deutlich schlechter Grafik als PSP) und der Wii geben dem Konzept recht. Die einzige Hoffnung die bleibt, dass die Rendermöglichkeiten der Browserengines sich dadurch rasant weiterentwickeln. Erste Bestreben in der Richtung gibt es schon lange.

Warum wird sich das ganze durchsetzen, trotz schlechter Grafik? Kosten. Ganz einfach, denn was gratis ist wird immer genommen, auch wenn man dadurch Privatsphäre einbüsst. Und die Konsumenten werden darüber garantiert ausspioniert. Für die Entwickler bedeutet das ganze weniger Risiko wegen geringeren Entwicklungsaufwand. Und wenn man dem Shareholder sagen kann, man habe das Raubkopienproblem ein für alle mal gelöst, wird der sicher begeistert sein. Ideenklau ist da natürlich nicht inbegriffen. Heute sieht es sicher nicht danach aus, aber dasselbe hätte auch jemand vor 10 Jahren bei Zeitungen, Printmedien im allgemeinen, Musik, Film etc behauptet. Der Trend zum medialen Versorger Internet ist unausweichlich, auch wenn es gewissen Leuten nicht gefallen wird. Die Masse wird es dankend annehmen, genauso wie genügend Entwickler. Und wenn sich dann deswegen grafikintesive Konsolenspiele nicht mehr millionenfach verkaufen werden, weil die Gratiskonkurenz zu gross ist, dann wird deren Ära sterben. Und nach einiger Zeit werden nur noch ein paar Nostalgiker wie ich der Zeit eine Träne nachweinen, genauso wie Automaten und Spielhallen.


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7 Comments

  1. =puppetmaster= Januar 5, 2009 12:42 am 

    Recht hast du!!
    Das letzte was ich gekauft habe war:
    – Steam Game für 4.99 (Leider €)
    – 50 DVD-R für Wii Iso’s

    Das letzte was ich gespielt habe:
    – Steam Game
    – X-Wars (Browser Game)
    – Endless Ocean (Wii Iso) *zum abhängen
    – Final Fantasy: Crystal Chronicles (WiiWare)

    Ich liege schwer im Trent!! 🙂

  2. Marco-san Januar 5, 2009 8:48 am 

    Irgend wann lesen wir diese Artikel in einem Magazin. ^_~

    Muss dir aber recht geben. Meinen WoW Account habe ich nur noch aus Gewohnheit.

  3. derfoxy Januar 5, 2009 5:11 pm 

    Also meiner Meinung nach entwickeln sich Browsergames nicht schlecht. Klar stellen sie momentan noch keinen Ersatz für „echte“ Spiele dar, jedoch kann sich das mit steigender Bandbreite und vor allem höheren Rechnerleistungen, welche auch auf den Servern vorhanden sein werden, schnell verbessern.
    Nur ist es trotzdem irgendwie schade, wenn das altbekannte einfach so zerbricht…

  4. ralle Januar 7, 2009 7:38 am 

    ich kann kaum glauben, das es immer noch leute gibt die nicht für fuffzig pfennig um die ecke denken können.
    „letzte was ich gekauft habe: 50 dvd-r für wii-isos“.
    meine herren, wie dumm manche leute doch sind.

  5. jtr Januar 7, 2009 8:56 am 

    Ich weiss gar nicht inwieweit hier in der Schweiz eine solche im Internet getätigte Aussage juristisch verwendbar ist, ist doch ein Email in der Schweiz nicht mal ein annerkantes Dokument.

  6. jtr Januar 12, 2009 2:41 pm 

    Habe vorgestern Quake Live anspielen können. Es sind kaum Unterschiede zu einem dedizierten Quake 3 festzustellen. Ich denke das Spiel wird evt. wegweisend sein, wie in Zukunft Web basierte Games aussehen könnten.

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