Blizzard hat sich verkalkuliert

Ich glaube das gab es noch nie, dass ein Entwickler von Blizzard an der Blizzcon derart ausgebuht wurde. Von was rede ich? Nun ja, Blizzard hatte seine alljährlich hauseigene Messe, was schon zeigt wie gross nicht nur das Ego der Firma ist, sondern dass zeigen die Einschaltquoten der zu bezahlenden Stream, auch einer der wichtigsten Entwickler der Branche ist und musste eine Lektion lernen. Wie kommt das? Sie haben sich das redlich über Jahrzehnte erarbeitet und waren lange Zeit quasi der Hort der Qualitätsprüfung und der Community Pflege (das erste Diablo bekam noch 12 Jahre nach Veröffentlichung ein Patch!).

Seit der Veröffentlichung des dritten Teils von Diablo sind nun 6 Jahre vergangen und so langsam hofften die Fans wohl zurecht auf ein Nachfolger. Dieser Erwartung hat Blizzard schon vor der Messer via Social Media eine Absage erteilt. Ok, nicht weiter schlimm, arbeiten sie angeblich an gleich mehreren Diablo Projekten. Und Diablo Fanbase ist nun mal primär beim PC zu Hause, das wird kaum jemand bestreiten. Erst gerade wenig vor der Messer wurde Diablo 3 für die Switch veröffentlicht, man konnte als zurecht so etwas wie ein weiteres Addon für Diablo 3 für PC und Konsole erwarten. Und was man Blizzard? Nun das beste zum Schluss nicht, so macht man das? Denkste! Blizzard liefert das grösste PR-Desaster seiner Firmengeschichte. Da sitzen die Hardcore Fans im Saal, sprich Vollblut Gamer und für die gibt es eigentlich primär nur ein Schimpfwort: Mobil Gaming. Und nun ratet was, was Blizzard vor diesen Hardcore Fans, welche sich sogar verkleiden für die Messe, ankündigt? Genau, ein Diablo für Mobil Gaming. Ok, wäre ja so weit noch nicht so schlimm, wenn man den Hardcore Fans wenigstens noch etwas auf den Weg gegeben hätte (ein neuer Charakter für Diablo 3) und allen voran richtig reagiert hätte.

Aber es gibt hier ein paar Dinge zu erläutern. Mobil Gaming hat so ein schlechten Ruf, weil eine Touch Bedienung einfach extreme Kompromisse in der Komplexität der Steuerung abverlangt. Das ist nicht weiter schlimm, weil die meisten Mobil Gaming nur als Ergänzung ansehen, welche man auch nur in sehr kurzer Zeit spielt. Mehr ein Lückenfüller. Das nächste, und das ist das wirkliche Übel: Die meisten Mobil Games sind schlicht Abzocke. 99,99% aller Mobil Games setzen auf eine Art von “Free to Play” (F2P) das schlicht auch als “Pay to Win” bezeichnet werden kann. Es hat nur das Ziel möglichst viel Geld dem Gamer aus der Tasche zu ziehen, egal ob das Spielvergnügen dabei auf der Strecke bleibt. Darum der schlechte Ruf. Die Anzahl guter Mobil Games die mit richtigen Spielen konkurrieren können, sind meist Adaptionen von Brettspielen (Die Siedler, Catan usw.) oder aber sogar Ports von PC oder Konsolenspiele wie X-Com oder Civilization. Grob gesagt kann man solche Spiele an einer Hand abzählen die wirklich etwas fürs Geld bieten und entsprechend auch nicht gratis sondern schon mal für 20 Euro und mehr angeboten werden, was ja einerseits für Apps ein schon recht hoher Preis ist, anderseits aber gerechtfertigt ist, aber die Verkaufshürde hoch ansetzt.

Das nächste ist, so scheint es, dass “Diablo Immortal“, so heisst das Mobil Gaming Diablo, ein billiger Clone eines bestehenden Spiels zu sein scheint vom gleichen chinesischen Partner den sich Blizzard an Board geholt hat. Sprich man hat ein bestehendes Spiel “Crusaders of Light” genommen und mal kurz Figuren und Grafiken ausgetauscht, so dass es wie ein Diablo aussieht. Qualitätsarbeit sieht anders aus, aber der Markt scheint nicht mehr Aufwand wert zu sein, was indirekt die firmeninterne Skepsis doch zeigt. Und der chinesische Partner NetEase zeigt eigentlich auch für welchen Markt Blizzard das Spiel primär entwickelt hat: den chinesisch extrem boomenden Mobil Gaming Markt. Dort ist das Spiel sicher richtig aufgehoben, obschon die Konkurrenz nicht gerade klein ist. Hier ist Blizzard  der Newcomer und nicht der Erfinder quasi des Genres, wie beim ersten Diablo auf PC und Playstation.

Also auf die enorme Enttäuschung folgt natürlich auch die entsprechende Reaktion. Das fing mit unverhohlenen Fragen des Publikums nach der Präsentation an ob das ganze ein verschobener Aprilscherz bis eben Buhrufen an. Und natürlich bliebt der Shitstorm in den sozialen Medien aber auch bei Youtube nicht aus. Und was macht Blizzard: der nächste grobe Fehler: um die enormen Dislikes zu löschen, haben sie täglich den Trailer gelöscht und neu hoch geladen und meinten damit wirklich durch zu kommen. Von Youtube selber würde ich eigentlich zu der Praxis eine Warnung bis temporärer Bann der Firma Blizzard erwarten, denn wenn das Schule macht, dann gute Nacht. Das ist nicht nur feig und frech, es ist schlicht dumm: das Internet verpasst gar nichts und vergisst nicht. Der Shitstorm wurde damit erst recht angeheizt. Hier noch zwei englischsprachige Youtuber Reaktionen, die es ziemlich auf den Punkt bringen:


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