Review Stalker

Stalker wurde schon als Vaporware wie „Duke Nukem Forever“ gehandhabt, sollte das Spiel doch ursprünglich bereits 2003 erscheinen. Die Entwickler wollten Shooter mit RPG Elementen vermische, zusammen mit einer (für die Zeit als das Spiel angekündigt wurde revolutionären) frei begehbaren Welt. Diese ambitioniertes Vorhaben war aber schlussendlich nicht realisierbar, und man musste seine Ziele zurückstecken. Von vielen Spielern (auch mir) wurde befürchtet, man hatte noch das Daikatana Debakel im Kopf, dass dies dazu führe, dass der Hersteller sich in seinen Ideen verzetteln und das Spiel und seine Spielbarkeit darunter leiden würde. Zumal der Hersteller vorher nur wenig Erfahrung mit Shootern hatte.

Story

Stalker spielt nach dem Kernreaktorunfall von Tscherobyl 1986, Anfangs 90er. Die Story beginnt damit dass Sie von einem Lastwagen voller Leichen fallen und von Freischärlern vorgefunden werden. Sie leiden unter Gedächnisverlust und müssen nun ergründen was sich mit den Vororten von Tschernobyl und ihren Vorkommnissen auf sich hat. Während des Spiels werden sie weiter zum Reaktor vordringen und dabei mit immer mehr misteriösen Gegebenheiten konfrontiert. Diese Informationen bekommen Sie von den Auftraggebern.

Ambiente

Hier kommen wir zu der absoluten Stärke. Wahrscheinlich habe ich noch nie so ein atmosphärischen Shooter gezockt wie es Stalker ist. Tönt schmalzig übertrieben, ist aber wirklich nur ernst gemeint. Hier kommen wir wieder zu der langen Entwicklungszeit von Stalker zu sprechen. Anstatt sich die Zeit mit unnötigen zu vergeuden, haben die Modelierer und Texturenmacher eine unglaublich detailverliebte und glaubwürdige Welt geschaffen. Genug Zeit hatten sie ja. Der Sound ist nicht überwältigend, aber die Welt von Stalker hat die Atmosphäre die man von Fallout schon kennt, wie passend! Düster, verfallen, dreckig und lebendig zugleich. Nichts wirkt aufgesetzt oder gar unlogisch. Grafisch gibts ingesamt sicher impossantere Spiele wie Oblivion, wobei genau jenes aber eben im Baukastenprinzip aufgebaut ist, was man merkt. Hier ist alles „hand made“ was man deutlich merkt. Keine langweiligen Wiederholungen in der Umgebung. Diese bietet vorallem Waldgebiete mit viel Getier das einem an den Kragen will, dazwischen kleinere Dörfer, einzelne Gebäude in denen sich Gruppierungen verschanzen, Industriekomplexe, Forschungsanlagen mit viel unterirdischen Gängen bis hin zu Städten. Dazu kommen interessante Kämpfe die knochenhart sind. Hier wird sicher der eine oder andere Anfänger die Flinte ins Korn werfen.

Spielgeschehen

Bei allen Rollenspiel Elementen die mal geplant waren, davon ist zwar was zu sehen, dennoch ist Stalker in erster Linie ein Shooter geblieben. Das Inventar ist typisch Rollenspiel aufgebaut. Ebenso typisch: es ist stetig überfüllt. Man kann 50kg tragen mit einer Toleranz bis 60kg. Hier komme ich zu einem der nervigsten Aspekte von Stalker. Kaum hat man die erreicht kann man sich kein Milimeter mehr bewegen, ehe man nicht was abgeworfen hat. Dumm ist das wenn man unbedacht inmitten eines Kampfes was aufnimmt und dann unbeweglich im Kugelhagel steht. Aber zurück zum Ablauf des Spiels. Man geht bei den verschiedenen Händler oder Anführer der verschiedenen sich bekämpfenden Gruppierungen Aufträge oder Nebenaufgaben. Hole dies oder bekämpfe den. Dabei findet man dies oder jenes, und soll es dem Auftraggeber bringen. Nicht immer muss man das und nicht immer macht das Sinn. Die Hauptaufgaben bringen einem in der Geschichte voran und bringen einem durch die richtigen Fährte dazu. Die Nebenaufgaben sind rein optional und jedem freigestellt ob und wann er sie macht. Gewisse Aufgaben haben ein zeitliches Limit, die meisten jedoch nicht. Je nach dem kommt es zu sehr interessanten Kämpfen, grad bei Industriekomplexe und Bunkern werden die sehr taktisch. Die Übermacht zu schlagen die grad bei Regierungssoldaten teils immens ist, fordert einem enorm, kann man sich nicht einfach verschanzen und abwarten. Sobald einem die Gegner ausgemacht haben, greifen sie gekonnt taktisch von allen Seiten an und setzen dabei auch Handgranaten ein. Was ist aber von den Rollenspielalüren geblieben? Doch noch genug, so kann man sich verschiedene Anzüge besorgen die einem von der Radioaktivität oder anderen schädlichen Einflüssen, zum Beispiel tödliche Anomalien, schützen (je nach Ausführung). Dazu kommen Artefakte die man überall finden kann, die wirklich guten nur in sehr gefährlichen Gebieten mit Anomalien. Diese kann man bei sich tragen und bringen einem gewisse Vorteile (mehr Resistenzen gewisser Gefahren oder mehr Lebenspunkte). Auch die Waffen können mit Zielfernrohren ausgerüstet werden, bzw. man kann sie von schlechteren Waffen entnehmen und besseren beifügen. Genauso kann man Waffen die man nicht mehr braucht vor dem Verkauf oder ablegen entladen so dass man die Munition nicht verliert. Hier habe ich es schon erwähnt, man findet auch Geld oder verdient es sich natürlich mit den Aufträgen. Bei den Händlern (nur wenige im ganzen Spiel vorhanden) kann man sich dann ausrüsten oder Ware verkaufen.

Fazit

Stalker ist einer der besten Shooter seit langem, der sich erfrischend vom Rest abhebt. Nicht mal Half Life 1 bot damals eine so gute Atmosphäre. Ich gehe soweit, dass ich bei einem Duell Half Life gegen Stalker sage: Half Life sollte nicht mal versuchen sich mit Stalker zu messen. Es gibt aber auch Kritikpunkte. Da wäre das nervige Gewichtslimite (kann inzwischen mit Mods umgangen werden), der Patch der die Spielstände umbrauchbar macht. Zudem gings mir am Schluss zu schnell dem Ende zu. Kann aber auch mein Verschulden sein, da ich kaum Nebenaufgabe gelöst habe, sondern stark auf die Hauptaufgaben konzentriert habe. Laut Berichten kennt das Spiel je nach Spielweise bis zu 7 verschiedene Enden. Das und die verschiedenen Gebieten (die wirklich sehr gross ausgefallen sind) mit den verschiedenen sich bekämpfenden Gruppierungen machen das Spiel vielfach durchspielbar. Schade finde ich dass nicht mehr von den Rollenspielelemente wie das Schlafen müssen (man sieht die Matrazen an den verschiedenen Standorte und man ahnt dass dies geplant war) oder den Charakter noch mit weiteren Fähigkeiten ausbauen können, hätte Stalker zum besten Spiel seit Asteroids gemacht. Wer Stalker nicht gespielt hat, verpasst eines der zur Zeit besten Spiele.


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1 comment

  1. Puppet Master Mai 1, 2007 8:52 am 

    Interessanter Review zu Stalker.
    In vielen Punkten muss ich dir auch zustimmen. Das Ende des Spieles kommt überraschend schnell.

    Das Gesamte Spiel teilt sich grob in 3 Abschnitte auf.
    1. Startgebiet mit dem Händler im Bunker
    2. Die Siedlung um die Bar mit vielen Nebenquests
    3. Unterwegs zum Reaktor mit dem Ende im Reaktor

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